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Grußwort für den Ökumenischen Ratinger Kirchentag 2001

  • Da geht eine junge alleinerziehende Mutter einmal in der Woche zu einem Kreis gleichaltriger Christen. Man kümmert sich um ihr Kind. Sie kann sich aussprechen und erfährt Annahme. Zum Schluss ein Segensgebet. Sie geht gestärkt nach Hause.

  • Da gibt es einen offenen Bibelkreis. Junge Leute, die Fragen haben, treffen sich mit Älteren. Man geht hin, weil man weiß: Hier wird keine Ideologie verkauft, hier werden keine frommen Sprüche gedroschen, sondern es ist relevant für meinen Alltag. Einige lassen sich ganz auf Jesus ein.

  • Da gibt es eine Siedlung mit Obdachlosen. Auch Asylbewerber hat man in die Nähe gesteckt. Oft gibt es Krach. Verschiedene Religionen und Lebensstile prallen aufeinander. Seitdem eine ökumenische Gruppe von Christen einmal vor ein paar Wochen dort ein mulikulturelles Straßenfest organisiert hat, ist es irgendwie anders geworden.  Man fühlt sich – auch ohne staatliche Anerkennung – als Mensch anerkannt. Und die Christen und Muslime erklären sich ihre Religion.

Wenn man eine Stadt heute so erlebt, dann erlebt man Jesus Christus live. Aber: Gelingt das heute?

Die Kirche Jesu Christi 2000 Jahre nach seinem Leben in dieser Welt als „Salz der Stadt“ – ist es Beschreibung der Gegenwart, Herausforderung, Minimalkonsens oder frommer, utopischer Wunsch?

Kirche 2001 ist heute oft nicht mehr „Licht der Welt“, der Leuchtturm, der Orientierung gibt. Man spricht von dem „nachchristlichen“ Jahrhundert, das begonnen hätte. Dieses Jahrhundert bietet meines Erachtens die große Chance, wieder auf neue Weise mit Jesus anzufangen. Zu den Menschen zu gehen, so wie er es wollte, und wie sie es heute von Kirche vielleicht nicht mehr erwarten.

 „Ihr seid das Salz der Erde“ – diese Eigenschaft hat Jesus von Nazareth seiner Kirche als immergültiges Ziel der Nachfolge vorgegeben. Die Salzkraft des Evangeliums neu zu entdecken und zu manifestieren – das ist eine Aufgabe, die nur alle Kirchen zusammen bewältigen können. Eine jede nach ihrer Gabe, Kraft und Platzbestimmung.

Als Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden wünsche ich den christlichen Kirchen Ratingens fröhliche Festtage, gute Gemeinschaft und eine motivierte Zielausrichtung. Der HERR kommt wieder, also lasst uns Sein Reich miteinander bauen.

Dipl.-Ing. Ulrich Wagner

(wohnhaft in Ratingen von 1964-1976)