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 Pressetext / Presseinfos                  

9. September 2001

 

 

Pressemitteilung

„Die Zukunft der Kirchen“-

wo fährt der Zug hin?

 

Ratingen.

„Wir wollen heute keine depressive Nabelschau betreiben, aber ernsthaft die Frage stellen, was müssen die Kirchen tun, wenn sie in Zukunft überleben wollen“, fasste Pastor Norbert Kursch von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde am Kaiserberg das Ziel der Podiumsdiskussion zusammen. Versammelt hatten sich auf dem Podium Ratinger Kirchenvertreter/innen aller Konfessionen und engagierte Laien aus dem kirchlichen Spektrum. Unter der Moderation von Fernsehjournalist Martin Buchholz gingen sie den Fragen nach: wozu brauche ich die Kirche, wozu braucht die Gesellschaft die Kirchen? Bei vielen Antworten fielen die Stichworte: Glauben geht nur in Gemeinschaft, Kirche gibt christliches Gedankengut und Werte und damit Bodenhaftung, ohne Kirchen wäre die Gesellschaft ärmer, Menschenfreundlichkeit Gottes muss durch Menschen verkündet und gelebt werden.

Die Zukunft der Kirchen - wer denkt da nicht an die Jugend. Jungen Menschen sind die Kirchen aber meistens gleichgültig. Karin Feilen, katholische Religionslehrerin am THGSG in Ratingen hat bei einer Umfrage in ihren 11-er Kursen gefragt, was sich die Schüler von der Kirche wünschen und was sie kritisieren. „Ich bin froh, wenn ich auf Kritik stosse, oft bekomme ich gar keine Antwort, aus Gleichgültigkeit. Kritik hat bei den Jugendlichen immer mit persönlicher Erfahrung zu tun. Wenn sie Pfarrer erleben, die keine Zeit für sie haben oder ihnen Antworten auf Fragen geben, die sie nie gestellt haben. Viele haben Probleme mit der Doppelmoral und der Sexualmoral der katholischen Kirche, mit der Abwertung der Frauen und den starren Strukturen“ berichtet Feilen. Den Ergebnissen konnte Hartmut Riemenschneider, Baptistenpfarrer aus Marl, vormals Jugendpfarrer bestätigen: „Die Jugend ist nicht nur die Zukunft, sie ist auch die Gegenwart der Kirchen“. Auch die Vertreter der anderen Konfessionen haben den Auszug der Jugend aus der Kirche in den letzten 30 Jahren beobachtet. Superintendent Günter Arnold sprach von der Notwendigkeit Jugendliche mehr Mitspracherecht auch in den Leitungsgremien der Kirche zu geben. Mit den Strukturen ist es aber nicht getan: „Jugendliche bekommen keine Antworten auf Fragen, die sie gestellt haben. Sie fühlen sich nicht ernst genommen“, wirft Feilen ein.  Antworten für Kirchenferne und junge Menschen versucht Ute Gerwich als Ehrenamtliche von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Düsseldorf. Mit einem Gottesdienstangebot "Gottesdienst spezial", in dem gute Musik, Theater, und Themen aufgegriffen werden wie: "Karriereticker - aus mit 40", seien auch Menschen heute für Jesus und Gott zu interessieren. Der Gottesdienst wird ohne Pfarrer, nur von Ehrenamtlichen vorbereitet. Einig waren sich die Podiumsteilnehmer darin, mehr gottesdienstliche Angebote für unterschiedliche Zielgruppen anzubieten. Ob dann mehr Menschen wieder in den Gottesdienst kommen? In der evangelischen Kirche liegt der Gottesdienstbesuch bei 4  Prozent der Mitglieder, bei den Katholiken sind es 12 Prozent.

Zur Vision der Ökumene befragt meinte Superintendent Günter Arnold: "2003 gemeinsames Abendmahl zu feiern - das wär´s doch". Abgewunken haben dann die gleich die katholischen Brüder: "Geht nicht, da ist das Abendmahlsverständnis noch zu unterschiedlich." Aber in anderen Bereichen könnte man auch in Ratingen weiter zusammenarbeiten. Das habe auch der 1. Ökumenische Kirchentag gezeigt.  "Wir müssen mehr gemeinsames christliches Profil zeigen" brachte es Hartmut Riemenschneider auf den Punkt.