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Grußwort
von Joachim Kardinal Meisner
(Erzbischof von Köln)
Im Jahre 1276, also vor 725 Jahren, wurde Ratingen durch
den bergischen Grafen Adolf VIII. zu einem "oppidum", einer
befestigten Stadt, erhoben. Seinerzeit war eine solche Stadterhebung oft ein
politischer Akt, der dazu diente, landesherrliche Macht in einem bestimmten
Gebiet zu sichern. So ist auch die Geburtsstunde der Stadt Ratingen mit den
Absichten der bergischen Grafen zu erklären, ihr Territorium zu formieren und
herrschaftlich zu durchdringen. Diese Bestrebungen waren nicht zuletzt gegen die
Kölner Erzbischöfe gerichtet, die als Inhaber von zugleich geistlicher und
weltlicher Macht ähnliche Ziele verfolgten. Dass dem Erzbischof von Köln an
der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert die weltliche Machtstellung genommen
wurde, können wir heute nur als Segen für die Kirche bezeichnen.
Eine Stadt mit Mauern, Toren und Türmen, wie sie in
Ratingen im 13. Jahrhundert entstand, ruft bei uns Christen das Bild vom
Himmlischen Jerusalem hervor, der Stadt des Gottesreiches, das uns verheißen
ist. Doch die Verbindung von Kirche und Stadt ist noch umfassender und reicht
bis in die Anfänge der Kirchengeschichte zurück: Ursprünglich war das
Christentum eine ausgesprochene Stadtreligion, entstanden doch die ersten
christlichen Gemeinden in den größeren Städten des Römischen Reiches. Im
Mittelalter war das Kirchengebäude dann der selbstverständliche Mittelpunkt
einer städtischen Siedlung, was häufig noch am heutigen Ortsbild ablesbar ist.
Nicht selten nahm die Entwicklung einer Stadt sogar ihren Ausgang bei einer
rings um die Pfarrkirche gelegenen Siedlung, wie auch St. Peter und Paul einen
der beiden ursprünglichen Siedlungskerne von Ratingen bildet.
Bis heute haben sich die Verhältnisse grundlegend
gewandelt, und es ist nicht zu übersehen, dass es Kirche in städtischen
Zentren schwerer hat, ihre Anliegen zu vermitteln, als in ländlichen Gebieten.
Wenn Sie nun Ihre Veranstaltung mit "Das Salz der Stadt" überschreiben,
so klingen darin die biblischen Bilder vom "Salz der Erde" (Mt 5,13)
und dem "Licht der Welt" (Mt 5,14) an, welche die Sendung und den
Auftrag der Christen verdeutlichen wollen. Das Wirken christlicher Kirchen und
Gemeinschaften in Verkündigung, Seelsorge und Caritas in den Städten der
heutigen Zeit, in denen auch große materielle und geistige Nöte herrschen, ist
ungeachtet aller Schwierigkeiten von größerer Notwendigkeit denn je. Es ist
gut und sinnvoll, wenn dabei die verschiedenen christlichen Konfessionen im
Geiste der Ökumene zusammenarbeiten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen den Segen des dreieinigen Gottes - für jeden einzelnen von Ihnen, die verschiedenen christlichen Gemeinschaften und alle Einwohner von Ratingen